Bürgerverein Steinbüchel e.V.

Kölner Stadtanzeiger / Leverkusener Anzeiger
MO / 23. April 2007
Unendlich viele fröhliche Putzteufel
VON ANA OSTRIC

Spaziergänger und Radfahrer an der Dhünn staunten am Freitag nicht schlecht. Ein Dutzend ziemlich großer Männer wühlte sich durch den Uferbereich in Nähe der Bayarena, suchte im Gras und zwischen Büschen nach Müll. Es waren die Basketballer der Bayer Giants, die ein Fitnessprogramm der anderen Art absolvierten. Anstatt sich nach Körben zu strecken, bückten sie sich für die Aktion „Wir für unsere Stadt“ und gingen auf ihrer Laufstrecke auf Müllsuche. Giants-Manager Otto Reintjes motivierte die mit Handschuhen und Säcken ausgerüsteten Sportler per Zuruf: „Gemeinsam mit 5500 Einwohnern tragt ihr dazu bei, dass diese Stadt noch schöner wird.“

Doch nicht nur prominente Bürger beteiligten sich an der dreitägigen Putzaktion. Auch viele Vereine, Schulklassen und Organisationen halfen mit. So wie der Brauchtumsverein „JGK Fidelio Bürrig“, dessen Mitglieder im Wildpark Reuschenberg aktiv waren. Mit lokalen Unternehmen sammelte der Verein Geld, um den Meerschweinchen ein neues Domizil zu stiften. Als Vorbild für das Haus dient Schloss Reuschenberg, das 1968 abgerissen wurde.

Mächtig viel Staub wirbelten die Pfadfinder vom Stamm Gezelin am Freitagabend in der Schlebuscher Fußgängerzone auf. Rund 30 Kinder, die jüngsten unter ihnen acht Jahre alt, zogen vom Lindenplatz aus in Richtung Kirche St. Andreas und kehrten hauptsächlich weggeworfene Zigarettenkippen vom Pflaster. Die eigens gebastelte Besenkette, drei über Holzleisten miteinander verbundene Besen, erwies sich im Einsatz als unpraktisch und wurde kurzerhand wieder auseinander genommen. Die Pfadbinder zeigten, was gute Teamarbeit ist: einer kehrte, einer hielt das Kehrblech, und der nächste stand mit einem großen Müllsack parat.

Doch nicht nur die Flaniermeile hatten sich die Jungen und Mädchen mit ihren Gruppenleitern vorgenommen. Mit Putzlappen in der Hand waren die zwölfjährige Ayline Becker und ihre Stammesgenossen dem Dreck auf dem Brunnen am Lindenplatz zu Leibe gerückt. „Jetzt sind da keine Scherben mehr drin“, resümierte Ayline nach getaner Arbeit.

Jede Menge Scherben landeten auch in den Abfalltüten von Ute Komoß und ihrer Familie. Die städtische Mitarbeiterin war am frühen Samstagmorgen mit Mann Harald und den beiden Kindern aus Odenthal nach Hitdorf gekommen. Zwischen den Steinen am Rheinufer, entlang des Fahrradwegs und auch in den Büschen suchten sie Müll und wurden fündig. „Im Dickicht lag richtig viel herum, angefangen von Rasierschaum über Tetrapacks bis hin zu Taschentüchern.“ Am Flussufer dagegen sei in den beiden Tagen zuvor wohl schon sauber gemacht worden, mutmaßte Ute Kommoß. Der Bereich sah in der Tat relativ ordentlich aus. „Sonst ist hier auch immer viel Müll, vor allem Glasscherben.“

Schon am Samstagmorgen waren viele Bürger entlang des Rheins zwischen Hitdorf und Rheindorf unterwegs gewesen. Zahlreiche Müllsäcke stapelten sich am Fähranleger und wurden gegen Mittag von der Avea abgeholt. „Das fällt schon auf, dass der Müll weg ist“, stellte Angler Werner Adt fest. Essensreste und zerbrochene Bierflaschen gehörten sonst zum Erscheinungsbild des Rheinufers. Seine Befürchtung: „Nach ein paar Tagen sieht es leider wieder so aus.“

Rundum glücklich und zufrieden äußerte sich Organisatorin Birgit Nolden von der Stadtwerbung. „Unendlich viele fröhliche Putzteufel“ seien von Donnerstag bis Samstag im Stadtgebiet unterwegs gewesen. Über 5700 ehrenamtliche Müllsammler waren im Einsatz, über 10 000 Müllsäcke hat die Stadt herausgegeben und rund 50 Tonnen Abfall sind nach ersten Schätzungen zusammen gekommen. Besonders „erschreckend“ sei der Fund von Kühlschranken, Autoreifen und Kücheneinrichtungen, berichtete Nolden. „Manche Leute sind einfach zu faul, um ihren Sperrmüll abholen zu lassen“, schlussfolgerte sie. Aber was seien schon die wenigen Umweltsünder im Vergleich zu der Masse an Freiwilligen, die so fleißig für „ihre“ Stadt gerackert haben. Und bei strahlendem Sonnenschein, was Birgit Nolden euphorisch werden ließ: „Der liebe Gott muss ein Leverkusener sein.“

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